Interessen

Langeweile? Ich? Nie.

Gelangweilt habe ich mich, wenn ich da nichts verdränge, eigentlich nie. Am ehesten fand und finde ich Wochenenden öde, die sich durch zusätzliche Feiertage in Überlänge strecken. Hatten in der Kindheit Freunde Hausarrest, fand ich immer eine Baustelle, auf der ich mich auch alleine total einsudeln konnte, oder einen Kleingarten, wo die ersten Erbsen reif waren. Hatte in der Kindheit ich selbst mal Hausarrest, konnte ich lesen, spielen oder träumen. Später in meinem Leben kamen andere Möglichkeiten der Beschäftigung dazu, und die Tage waren mir für all das, was ich gerne tat, eher zu kurz als zu lang.

Nur ein Teil meiner 1:80-Altstadt

In den 1980ern legte ich mir sogar vorsätzlich ein neues Hobby zu und begann, mit passenden Modellbausätzen eine Nachkriegsstadt im Maßstab H0 zu errichten – bis auf der 2X3 Meter großen Spanplatte kein Platz mehr war und das Zimmer keinen weiteren Flächenfraß erlaubte.

Immer gab es neben Schule, Studium, Beruf, Beziehungen und ehrenamtlicher Arbeit auch noch Beschäftigungen, mit denen ich meine restliche freie Zeit zu füllen wusste, und das anregend, Freude bereitend, manchmal sogar nützlich. Tatsächlich lassen sich diese Interessen unter fünf Oberbegriffen zusammenfassen; zu diesen Kategorien findet sich auf jeweils einer Unterseite etwas mehr Lesefutter:

  1. Bretagne und Frankreich
  2. Sport und Spiel
  3. Musik  
  4. Literatur   
  5. BlödSinn

 

Natürlich bin ich auch des öfteren ins Kino gegangen; mein erster Streifen (freigegeben ab 12) war ein Mytho-Schinken aus der Maciste-Reihe, auch den Riesenmonster-Film Gorgo und das mäßig erotische Angélique und der König habe ich in den frühen 1960ern angesehen. Ein Cineast ist dennoch (oder deswegen?) nie aus mir geworden – was nicht bedeutet, dass ich nicht auch eine Handvoll Lieblingsfilme – darunter das Gesamtwerk von W. C. Fields – aufzählen könnte. Was ich mir aber schenke.

„Der ver zwei peanuts, valking down der strasse, and von vas assaulted … peanut!“

„Sie machen mich noch ganz verrückt, Herr Melzer.“

Unbedingt erwähnen muss ich allerdings meine drei absoluten Lieblingsstaffeln urkomischer TV-Sketche: Loriot I – VI, zwischen 1976 und 1978 ausgestrahlt, sind kostbarste Perlen des intelligenten Humors und ein ganz seltener Fall, in dem Deutschland in diesem Genre mit den Angelsachsen mithalten kann. Es sind ja beileibe nicht bloß die weihnachtlichen Hoppenstedts, die Kalbshaxe Florida, Tante Berta Panislowski aus Massachusetts, der Zeltplatz in Klagenfurt oder der alerte Bettenverkäufer Hallmackenreuter. – Dann Die Zwei mit Tony Curtis und Roger Moore, eigentlich eine Krimi-Serie, in der deutschsprachigen Fassung von 1976/77 aber dermaßen voller Wortwitz-Kaskaden („Das doppelte Lordchen” oder „Adel vernichtet”), dass sie mit Fug und Recht unter der Rubrik Komisches anzusiedeln ist. – Und schließlich, gleichfalls in den 1970ern, der Ausbund an britischer Skurrilität: Monty Python’s Flying Circus, schwarz und surreal wie bspw. in ihrem Sketch „The Killer Joke”.

 

This little bird has gone with the wind …

Dass ich Tiere mag, sagte ich schon. Das beschränkt sich nicht auf Hunde. Ich hatte auch schon mal einen Vogel – 1983 war’s, und eine Amsel aka Hupfdohle, um genau zu sein. Die war, noch nicht flügge, aus dem Nest gefallen, wurde uns von Nachbarskindern gebracht und in der Wohnung mit Pipette und selbst fabriziertem, zu schnabelgerechten Würmchen gerolltem Futter aufgezogen. Piepsi entwickelte sich bald prächtig, wuchs weiter und entwickelte zusehends mehr Selbstbewusstsein.

„Gestatten: Piepsi. Ich wohne jetzt auch hier.”

Tatsächlich nahm sie (oder er?) Rosi und mich als Eltern an, und selbst Hündin Nelly gehörte für sie irgendwie zur Familie. War anfangs noch ein weich ausgepolsterter Blumentopf in einem großen Vogelkäfig ihr Schlafplatz, schlummerte sie mit den Wochen zunehmend auch gerne im Bücherregal, auf einer Sofalehne oder kluckte sich vertrauensvoll in meine Halsbeuge. Stubenrein wurde sie nicht, so dass wir ihr ständig hinterherputzten, aber das war für alle Beteiligten okay. Dafür war Piepsi extrem neugierig, und da bot eine Altbauwohnung an der Holstenstraße viel zu entdecken. Zudem war der langgezogene, hohe Flur bestens für Flugübungen geeignet (wenngleich ich ja finde, dass Amseln eher Fußgänger sind). Das einzige, was ihr fehlte: Sie wurde bei uns nicht so krakeelig und zänkisch, wie es ihre Artgenossen in freier Wildbahn zumeist sind. Dafür legte sie sich furchtlos mit Nelly an, wenn sie in deren Trinknapf baden wollte, und auch unsere gefüllten Essteller und alles, wonach man picken kann, interessierten sie mächtig. Also pickte sie auf Kabel, Zigaretten, Kugelschreiber, anschließend auch noch akribisch zu zerfetzende Klopapierrollen ein, zupfte auch gerne an Menschennasen oder -lippen; ihre Eltern duldeten all das verständnisvoll. Ihren Speiseplan erweiterten wir um Mehlwürmer; schließlich stand für uns nie in Frage, dass wir sie irgendwann würden auswildern müssen. Bis dahin musste und sollte sie alles gelernt haben, was sie draußen braucht.

Schlummerplatz – rechts oder links?

Dieses Irgendwann kam dann zu Sommerferienbeginn 1983. Wir nahmen sie zum ersten mal mit auf den zum alten Krankenhauspark hin gelegenen Balkon. Nach einiger Zeit, in der sie sich das alles aufmerksam ansah, flog sie tatsächlich zu einem der Bäume – nur um eine Viertelstunde später wieder auf unserem Balkon zu sitzen und Einlass zu begehren. Am Tag darauf, dem letzten, bevor wir verreisen wollten, starteten wir den zweiten Versuch, ihr Good-bye zu sagen. Und diesmal stellten wir mit einer Mischung aus Erleichterung und Abschiedsschmerz fest, dass Piepsi eine neue, artgerechte Heimat gefunden hatte.

Geblieben ist von dieser Episode, dass ich meine diversen Gartenvögel auch in der Gegenwart nicht nur gerne beobachte, sondern sie im Winter mit in Fett angebratenen Haferflocken, Rosinen und Äpfeln versorge. Und dass mir im Sommer 2018 einmal mehr vor Augen geführt wurde, welche Auswirkungen der Klimawandel bereits jetzt bis in meinen Garten hat: Die zuvor nie dermaßen weit in den Norden vordringende Usutu-Epidemie führte zu einem massiven, sicht-, hör- und zählbaren Amselsterben, das – so mein Eindruck – von der Natur bis heute noch nicht wieder annähernd austariert worden ist.

Immerhin: Seit ich in Wedel lebe, bestaune ich zweimal jährlich die zahllosen Schwärme von Wildgänsen, die direkt über mir – bereits im Sink- oder Steigflug – längsziehen. Warum sie das tun?  In der Wedel-Haseldorfer Marsch, keine 3 km entfernt, befindet sich einer der größten europäischen Zwischenlandeplätze für Zugvögel.

 

 

… und bevor Du hier gelangweilt ausbüxt …

Mir ist es mit vielen Dingen, die ich angefasst habe, gut ergangen. Ich glaube sogar, dass ich in Wahrheit ein geborener Glüx♣pilz bin. Davon etwas an diejenigen weiterzugeben, die es nicht ganz so doll getroffen haben, war und ist mir eine Herzensangelegenheit – sozusagen mein 6. Interesse.

So spende ich, z. T. schon seit Jahrzehnten, außer an meine Partei regelmäßig auch an die folgenden Einrichtungen und Organisationen. Klick it and you’ll erblick it.

Meine Medizinpaten-Hündin Fosca (extra mit Geburtstagsschleifchen zu meinem 70.)

Jake Hundehilfe Bad Segeberg     (außerdem auch bei Facebook)

Tierheim Elmshorn

Frauenhaus Wedel

Robin Wood

adh-Nothilfe weltweit

4 Pfoten

Otter-Zentrum Hankensbüttel

Ich weiß, hier könnten auch noch 333 andere Vereine stehen. Aber vielleicht ist das eine Anregung für Dich, im Rahmen Deiner Möglichkeiten Empfänger, die Du für wichtig hältst, selbst zu unterstützen. Zudem sind Spenden ja auch gut für die Einkommensteuererklärung.

 


 

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