Politik

Seit meiner Jugend politisch interessiert, war ich lange Zeit doch eher ein „Organisationsskeptiker”. Früheste beunruhigende Eindrücke vermittelten mir Mauerbau (1961), Kubakrise (1962), Selbstverbrennung eines buddhistischen Mönchs in Vietnam, Kennedy-Mord (beides 1963) und Tongking-Zwischenfall (1964). Das fiel in eine Zeit, in der ich zwar alles zu Armin Harys legendären 10,0 Sekunden und seinem Olympiasieg über 100 Meter wusste, aber noch nicht in der Lage war, weltpolitische Einzelereignisse in ihrer Vielschichtigkeit zu begreifen. Dies setzte erst nach 1966 mit der Debatte über die Notstandsgesetze ein.

Den Prager Frühling mit nachfolgendem „brüderlichen” Einmarsch von Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei und die Studentenunruhen in Berlin, Hamburg und anderswo, auch den Mai 1968 in Paris verfolgte ich zwar nur aus der Ferne, aber ich verfolgte sie, weil die dabei aufgeworfenen Fragen mich beschäftigten. Was ich liebte und was meinem Naturell sehr entsprach, war der komische, spöttische, satirische Umgang mit den aktuellen Themen in Zeiten der Großen Koalition unter Kiesinger und Brandt. Den vermittelten mir zum einen die Zeitschrift Pardon, darüber hinaus aber vor allem das politische Kabarett. Auf und über Fernsehabende mit dem Kom(m)ödchen aus Düsseldorf (Lore Lorentz), den Berliner Stachelschweinen (Wolfgang Gruner, Achim Strietzel) und insbesondere der Münchener Lach- und Schießgesellschaft (Hans-Jürgen Diedrich, Klaus Havenstein, Ursula Noack und der so herrlich lakonische Dieter Hildebrandt) freute ich mich vorher, währenddessen und auch hinterher noch.
1969 beteiligte ich mich an der kreativen Auflösung einer NPD-Veranstaltung, wozu auch ich ein Reagenzglas voll C4H8O2 in die Wuppertaler Stadthalle hineintrug, das jugendliche Mitglieder der „Roten Garden” – einer maoistischen Splittergruppe – zuvor im Bahnhofstunnel am Döppersberg verteilt hatten. Bei meiner polizeilichen Sistierung antwortete ich auf die Frage nach dem Inhalt des Röhrchens durchaus zeittypisch, dies sei eine Miniatur-Napalmbombe. Das brachte mir die Einleitung eines Verfahrens wegen unerlaubten Waffenbesitzes ein, worüber sich Juristen und Lokalpresse gewaltig beömmelten: Buttersäure fällt nicht unter diesen Straftatbestand, und dieser Erkenntnis vermochten sich dann auch die ermittelnden Kräfte nicht lange zu verschließen – was ihnen möglicherweise mächtig gestunken hat …

Wahlwerbung 1: Spucki von 1972

An der Hamburger Uni galt ich als freischwebender Anarcho, der es allerdings trotz mehrerer Hundert Stimmen nie ins Studentenparlament schaffte. Man muss auch mal verlieren können. Schnupperbesuche in den 1970ern bei den Jusos, dem KBW oder der Bunte Liste – Wehrt Euch führten nicht dazu, dass ich mich bei einem dieser Vereine einschrieb. Im Zweifelsfall war mir der Besuch eines Rockkonzerts, Fußballspiels oder einer neuen Braut wichtiger als die Teilnahme an einem zweitägigen Parteischulungsseminar mit endlos öden Debatten. Natürlich nahm ich an vielen Demonstrationen teil; gelegentlich hatte ich aber schon damals das Gefühl, dass man zu 50 %  für den hehren politischen Zweck, zu 50 % aber einfach wegen der sozialen Kontakte mitmarschierte. Meine Teilnahme an zwei Demos, beide gegen ein konkretes Atomkraftwerk (im bretonischen Plogoff und in Brokdorf), halte ich allerdings bis heute für richtig und wichtig.

In diese Zeit fällt auch die Abkehr von meiner parteifernen Attitüde.

Seit vier Jahrzehnten aktiv in der Kommunalpolitik

Seit 1982 bin ich, mit einer Unterbrechung zwischen 2001 und 2008, kommunalpolitisch tätig, bis 2011 in «Hamburgs schöner Schwester» Altona, seit 2013 in der westlich angrenzenden «Stadt mit frischem Wind», dem holsteinischen Wedel.

Im März 1980 trat ich bei den kurz vorher gegründeten GRÜNEN ein. Als die in Hamburg unter der Bezeichnung Grün-Alternative Liste firmierende Partei bei den Wahlen im Juni 1982 den Sprung auch in die Bezirksversammlung (BV) Altona schaffte, machte die GAL-Mitgliederversammlung mich als sogenannter zugewählter Bürger – also als Fraktionsmitglied, das nicht zugleich ein Mandat in der BV besaß – zu ihrem Vertreter in einem Sanierungsausschuss für Altona-Altstadt, zudem Ende 1984 auch im Stadtplanungsausschuss.

Wahlkämpfer 1987

Bei den Kommunalwahlen im November 1986 kandidierte ich – wie bei der folgenden Wahl im Mai 1987 – auf Listenplatz 4 und wurde Abgeordneter in der BV Altona. Meine Tätigkeiten im Planungs- und mehreren Sanierungsausschüssen setzten sich fort; der Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit kam hinzu. Ab September 1987 leitete ich einen Sonderausschuss für ein Nachkriegs-Wohngebiet nahe der Palmaille, ab November amtierte ich als 2. stellvertretender BV-Vorsitzender (bis 1993). 1989 beschloss die GAL-Mitgliederversammlung, dass ich auch für die zweite Hälfte der Wahlperiode Bezirksabgeordneter bleibe (Aussetzung des Grünen Rotationsprinzips).

Wahlkämpfer 1993

Zu den folgenden Wahlen (Juni 1991, September 1993, September 1997) kandidierte ich jeweils auf Listenplatz 2, dem ersten Männerplatz, und blieb durchgehend nicht nur Abgeordneter, sondern auch meinen thematischen Schwerpunkten («Marmor, Stein und Eisen») treu. Zu denen trat ab 1991 auch noch der Haupt- und der Geschäftsordnungsausschuss, ab 1993 die Hamburgische Kommission für Bodenordnung hinzu. Aber Stadtplanung, behutsame Sanierung von Altbauquartieren unter Erhalt ihres gewachsenen Charakters, Entwicklungen im Einklang mit ökologischen und sozialen Prinzipien standen all die Jahre eindeutig im Mittelpunkt meiner politischen Tätigkeiten. Und ungeachtet der Tatsache, dass ich mich schon in Studium, Beruf und Fortbildungsveranstaltungen am Berliner DIfU regelmäßig besonders mit stadtgeographischen und stadthistorischen Themen befasst hatte, habe ich sehr viel zur konkreten Umsetzung dazugelernt, auch zu den rechtlichen Rahmenbedingungen. Das hat mich befähigt, zwischen 1994 und 2010 als Sachpreisrichter an zehn städtebaulichen Wettbewerben mitzuwirken; 2015 kam in Wedel ein elfter dazu.

Ich war immer jemand, der seine Kräfte gerne konzentriert und die unterschiedlichen Rollen von Partei und Fraktion hochgehalten hat; mich reizte die Arbeit im lokalen Parlament stets mehr. Ich wollte daran mittun, dass das, was man anschiebt, auch zu sichtbaren Ergebnissen führt. Von meiner anfänglichen Hoffnung, dass sich politische Prozesse unter meiner Mitwirkung rapide beschleunigen würden („Wir wollen alles, und das subito!”), wurde ich allerdings bald kuriert. Offensichtlich mahlen diese Mühlen tatsächlich überall so langsam, und es ist schon ein Erfolg, wenn man durch Hartnäckigkeit und den Mut, Themen immer wieder aus der Versenkung hervorzuholen, verhindern kann, dass die Mühlen vollständig einschlafen. So wird man vom Anarcho zum Realisten.

Konfrontation und Kompromissfindung sind zwei Seiten derselben politischen Medaille. Die Rolle des «verbalen Kampfschweins» lag mir schon früh, mit dem ätzend scharfen Säbel, aber ebenso mit dem ironischen oder heiteren Florett. Auch auf dem anderen Feld bin ich im Lauf der Zeit ganz gut geworden; mir bereitet es Freude, wenn aus anfangs unversöhnlichen Forderungen und Standpunkten durch viele Gespräche mit den politischen Gegnern („Mitbewerber”, selbst „Konkurrenten” finde ich eine weichgespülte Formulierung) am Ende wenigstens ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung herauskommt. Auch diese Notwendigkeit trägt allerdings zur Entschleunigung politischer Entscheidungen bei.

Der wahre vor dem falschen Olaf

1988/89 und noch mal 1997/98 war ich stellvertretender Vorsitzender der GALtona-Fraktion, von 1993 bis 1997 und erneut 1998 bis zu meinem Austritt 1999 Vorsitzender. In dieser Funktion war ich auch der grüne Verhandlungsführer während der ersten förmlichen grün-roten Koalition im Bundesland Hamburg, die in Altona geschlossen wurde und von März 1994 bis September 1997 Bestand hatte. Einer meiner beiden damaligen Gegenübers bei den Sozialdemokraten war übrigens gleichfalls ein Olaf: Der spätere Hamburger Bürgermeister, Bundesminister, Vize- sowie Bundeskanzler, in den 1990ern Leiter des SPD-Kreisverbands Altona-Elbvororte.

Funktionen in der Partei habe ich hingegen nie übernommen, wenn man davon absieht, dass ich meinen Kreisverband bei einigen Bundesversammlungen (so hießen die Grünen Bundesparteitage seinerzeit) vertreten habe: 1987 in Duisburg, 1992 in (Ost-)Berlin, 1993 beim Vereinigungsparteitag mit Bündnis 90 in Leipzig, 1996 in Suhl und 2015 – dann für den Kreis Pinneberg – in Halle (Saale). Im Rückblick fällt mir auf, dass das ganz schön oft chez les Ch’tis Ossis stattfand. 😉

Im Frühjahr 1999 verließen vier der zehn Abgeordneten – einer davon war ich – und etwa die Hälfte der zugewählten Bürger die Altonaer GAL-Fraktion. Letzter Auslöser für diesen Schritt war der Beschluss des Bielefelder Bundesparteitags, militärische Einsätze der Bundeswehr auf dem Balkan zu befürworten. Ich selbst trat deshalb nach 19 Jahren auch aus der Partei aus, blieb in der neuen Regenbogen-Fraktion Altona Vorsitzender und weiterhin in „meinen“ Ausschüssen aktiv. Zur Wahl im September 2001 kandidierte ich nicht erneut – bald zwei Jahrzehnte intensiver Arbeit, parallel zu einem Brotberuf und vielen weiteren Hobbys, erschienen mir genug.

2008 kam es zu einem ersten Rückfall. Die Linke war neu in die BV Altona eingezogen und bat mich, ihr mit meinen inhaltlichen, organisatorischen und Verfahrenskenntnissen unter die Arme zu greifen. Ich nahm unter der Bedingung an, die Fraktion dann auch im Planungsausschuss zu vertreten. Parteimitglied wurde ich aber nicht, und vor der Wahl 2011 beendete ich diese Episode, weil ich einige Einstellungen dort ziemlich unehrlich fand. Das betraf insbesondere den Widerspruch, einerseits permanent Bürgerbeteiligung und -mitentscheidung zu verlangen, andererseits deren Ergebnis aber dann zu kritisieren oder gar zu ignorieren, wenn es nicht in der gewünschten Richtung ausfällt – wie das bei der Abstimmung (Bürgerentscheid) über die IKEA-Ansiedlung im Einkaufszentrum Große Bergstraße manifest wurde.

Wahlwerbung 2: Klebi von 2018

Rückfall Nr. 2 folgte an Neujahr 2013 mit meinem Wiedereintritt bei den Grünen in Wedel, weil ich mich natürlich auch an meinem neuen Wohnort für die Themen interessierte, die die Stadt bewegten. Sechs Wochen später wählten mich die Parteimitglieder auf Platz 4 ihrer Liste, und seit Mai 2013 bin ich Ratsherr in dieser Mittelstadt, worin ich fünf Jahre später (dann auf Listenplatz 2) bestätigt wurde. 2018 fehlten mir lediglich fünf von über 1.000 Stimmen, um meinen Wahlkreis direkt zu gewinnen, der bis dahin stets bombensicheres CDU-Terrain war. Der Planungs- sowie der Haupt- und Finanzausschuss, jeweils inklusive diverser Arbeits- und Lenkungsgruppen, sind immer noch meine Wohnzimmer.

Der Erhalt der Reste von Alt-Wedels stadtbildprägenden Gebäuden – davon existieren nicht mehr allzu viele – ist mir eine Herzensangelegenheit geworden. Mit diesem Thema waren Verwaltung und politische Mehrheiten lange ebenso gedanken- wie lieblos umgegangen, obwohl dafür eine Erhaltungssatzung existiert, die aber offenkundig niemanden ernsthaft interessierte. Den Abbruch eines typischen Wohnhauses in der Riststraße, der Reste eines ehemaligen Bauernhofs am Marktplatz gegenüber der Roland-Statue und des Hafenmeistertürmchens an der Ostmole des neu gestalteten Schulauer Hafenbeckens konnte ich verzögern, aber noch nicht verhindern. Erstmalig gelang mir dies dann bei einer Schlosserei aus dem 19. Jahrhundert an der Pinneberger Straße 2, etwas später auch bei der Alten Post an der Rolandstraße. Vor allem aber brachte ich die Leitung des zuständigen Fachbereichs dazu, für das gesamte Stadtgebiet einen Katalog von historisch erhaltenswürdigen Milieus und Gebäudeensembles zu erstellen, aus dem diese dann zwei Jahre später für die Häuser am Voßhagen eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung erarbeitete – ein erster wichtiger (und hoffentlich nicht der letzte) Schritt!

Empfangszeremonie bei Mr le Maire

Außerdem kümmere ich mich um unsere Städtepartnerschaft mit Caudry (Frankreich), was dort auf wesentlich mehr Gegenliebe, Anerkennung und Unterstützung trifft, als es – bedauerlicherweise – auf der deutschen Seite des Rheins der Fall ist. 2021 hat das Comité de Jumelage de Caudry mich zu seinem Ehrenmitglied ernannt.


Bis September 2014 war ich erster stellvertretender und danach sieben Jahre lang Vorsitzender unserer Fraktion; im August 2021 habe ich diese Aufgabe niedergelegt – zu unterschiedlich die Auffassungen über den Charakter erfolgreicher und effizienter Fraktionsarbeit. Einige wollen offenbar unbedingt zurück zur Linie der Grünen Kinderjahre. Ein halbes Jahr danach habe ich die Fraktion verlassen, mache ohne sie aber die restlichen 15 Monate bis zur nächsten Wahl auch noch weiter vernünftige Politik, wenngleich die Einzelkämpferrolle für mich Mannschaftssportler ungewohnt ist.

Und als hätte es noch einer Bestätigung für meine Begründung dieser beiden Schritte bedurft, bekam ich drei Monate später auch noch einen Tritt von Wedels Grünen. Wären das alles kleine Kinder, könnte man sowas problemlos wegstecken; denn die stampfen schon mal mit dem Fuß auf, trotzköpfeln und schmollen, wenn ihnen etwas missfällt. Aber von einem Dutzend Erwachsenen zwischen 40 und 70? Dass ich denen kein einziges Dankeswort für neun Jahre intensiver (und oft erfolgreicher) Arbeit wert war, in der sich viele gerne gesonnt haben – geschenkt! Aber was sich im Mai an vorderster Stelle die beiden lokalen Führungsdamen und der quasi über Nacht in fachlich viel zu große Schuhe Aufgestiegene („Der Plahnungslose”) mir gegenüber geleistet haben, ist menschlich einfach nur schäbig und erbärmlich.

Insgesamt sind bis Ende 2021 alleine 1.227 Sitzungen der kommunalen Gremien zusammengekommen, darunter 223 in Bezirksversammlung bzw. Stadtrat und 633 in den Ausschüssen zum Themengebiet Stadtplanung, Verkehr und Bau. Dazu kommen Hunderte von vorbereitenden Fraktionssitzungen, informelle Gesprächsrunden und zahlenmäßig nicht mal annähernd zu schätzende Einzelgespräche mit den Menschen, die ich vertrete. Auch über die Zahl von mir verfasster Anträge und Anfragen habe ich nie Buch geführt; es waren einige.

Ob ich bei der Bürgermeisterwahl 2022 kandidieren solle, war mir intensives Überlegen wert. Meine Chancen schätzte ich so schlecht nicht ein, weil der zu einer vierten 6-Jahres-Periode antretende Amtsinhaber („Nur Elizabeth II. herrscht länger als Niels Schmidt”) bereits 2016 gegen eine fast ahnungslose, v.a. auf Mutterundkind-Wähler setzende Niemandin lediglich noch 54 % erreicht hatte. Am Ende habe ich meinen Hut nicht in den Ring geworfen. Zwar hätte ich große Lust auf den Wahlkampf (und viele Ideen dafür) gehabt; aber nachher hätte ich den Posten womöglich auch tatsächlich antreten müssen, und auf eine 60- bis 70-Stunden-Arbeitswoche habe ich keinen Bock mehr.

Mit der jeweils neuesten Kommunikationstechnik habe ich wiederholt zunächst gefremdelt, ehe ich dann doch vom Saul zum Paul wurde. Immerhin besaß ich für Beruf und Politik schon früh einen Brother Word Prozessor, den WP-1; das war ein archaisches elektrisches Übergangsmodell zwischen der good ole Adler-Suchsystem-Schreibmaschine und dem PC, mit Textverarbeitungs- und Kalkulationsprogramm. Aber einen Computer? Wollte ich nicht. Ein Handy? Brauchte ich nicht. Dachte ich jedenfalls, ehe ich bei beiden in den späten 1990ern schwach wurde.
Diese und weitere Erfindungen haben das alltägliche Leben tatsächlich gewaltig verändert. Und dazu geführt, dass nicht nur immer mehr Berufe oder Wörter verschwinden, sondern auch Gegenstände, die in meinen ersten fünf Jahrzehnten zur Standardmöblierung menschlicher Siedlungen gehörten: Briefkästen gibt es noch ein paar, aber Telefonzellen? In einer solchen habe ich 1968 auf dem Vorplatz des Amsterdamer Hauptbahnhofs zusammen mit Gerd H. sogar mal übernachtet, weil es darin zwar mächtig unbequem, aber wenigstens trocken war.

 

… und daneben etliche Ehrenämter

Neben meinen (partei)politischen Funktionen habe ich mich auch anderenorts immer gerne und mit ziemlich viel Begeisterung und Power engagiert, sei es als gewählter Wuppertaler Vertreter im Rheinischen Studentenkonvent (1970), als regelmäßiger Blutspender von 1969 bis 1983, gewerkschaftlicher Vertrauensmann der GEW-Betriebsgruppe am katholischen St.-Ansgar-Gymnasium (1976-1977, und das als Atheist), Mitglied der Mietergruppe Altona-Altstadt in den 1980ern und 1990ern, 1997/98 als befreundeter Berater eines französischen Spielers des FC St. Pauli, als Vorsitzender eines Wohnungseigentümerbeirats in Wentorf während der 2000er oder – seit 2005 – als Autor und Administrator in Wikipedia. Dazu kamen Ehrenämter in Vereinen und anderen Organisationen:

Strenge und Wuttke üben im Rathaus schon mal für die Abtrennung Altonas

Rød og hvid, rund und richtig

Seit 1986 war ich Sprecher der sezessionistischen Initiative Altonaer Freiheit – „weg von Hamburg!” Schließlich war diese Stadt bis 1864 dänisch und wurde erst 1938 von den Nazis nach Pfeffersackstadt eingemeindet. Unser Aufkleber mit dem Motto «Altona skal være Dansk!», tausendfach verkauft, dominierte zeitweise das Straßenbild der Stadt (okay, das ist jetzt möglicherweise etwas übertrieben) und hielt selbst in dänische Publikationen Einzug (das hingegen trifft zu). Etliche meiner Ideen als Ini-Sprecher brachte ich erst in meiner Fraktion und anschließend in die Bezirksversammlung ein, wenn ich sie nicht direkt an den (trotz seiner SPD-Zugehörigkeit sehr humorvollen) Bezirksamtsleiter Hans-Peter Strenge oder die dänische Königin Margrethe II. richtete. Manche Aktion schlug hohe Wellen: Ob vor dem Altonaer Rathaus wieder die Stadtflagge aufgezogen wurde, ob das Bezirksamt dem Fußballverband der Färöer offiziell anbot, seine Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft in Altona auszutragen, und das mit dem Satz „angesichts der gemeinsamen dänischen Geschichte” begründete, ob ich die Bevölkerung aufforderte, auch bei uns nach Zenobie, dem entlaufenen Dackel unserer(!) Königin, Ausschau zu halten (siehe hierzu diese taz-Glosse von 1993), ob die Bezirksversammlung einstimmig forderte, das nach Hamburg verschleppte verbrachte Stadtarchiv zurückzugeben – nur bei den sauertöpfischen Zentralisten in Hamburgs Rathaus stieß nichts davon auf Gegenliebe. Sie werden sich auch nicht darüber gefreut haben, dass ich der erste Repräsentant seit 1864 war, der im Kollegiensaal eine Rede auf Dänisch hielt.
Diese Rolle, der ich einen wesentlichen Teil meines Rufs als Ur-Altonaer verdanke, endete 2012 mit meinem Umzug nach Hedwig-Holzbein.

2000 wurde ich erstmals in den Vorstand der Senator-Kirch-Stiftung gewählt und darin 2008 sowie 2016 jeweils bestätigt; deren Satzungszweck ist die Unterstützung von armen Kindern, Jugendlichen und Alten ausschließlich im Bezirk Altona. Ab 2007 bis zu meinem Rückzug 2019 amtierte ich darin als Vorstandsvorsitzender.

Im FC St. Pauli habe ich ab 2005 die neue Radsportabteilung mit aufgebaut, deren erster Abteilungsleiter ich bis 2010 war. Außerdem war ich in diesem Verein von 2006 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender des Amateurvorstands, also des „Daches” sämtlicher sporttreibenden Abteilungen mit Ausnahme der Profifußballer. Für diese Kärrnerarbeiten wurde mir die Leistungsnadel verliehen, 2021 zudem die silberne Ehrennadel, die allerdings nur eine „Durchhalte-Auszeichnung” für 25-jährige Mitgliedschaft ist. Und nicht zu vergessen: Mitgründer, Namenserfinder, erster Präsi und inzwischen Ehrenalterspräsi von Juventus Senile San Paolo – Fanclub der weisen Ultras bin ich auch.

Seit 2018 bin ich zudem als Verwaltungsratsmitglied der Stadtsparkasse Wedel in einer Kontrollfunktion tätig.

 

Ein Börsengang war aber nie angestrebt! Und die Konzernmutter existierte auch nicht.

Und dann gab es um das Y2K herum noch eine Aktivität, mit der ich – anders, als bei Ehrenämtern üblich – tatsächlich Geld verdient habe, statt welches dazuzubuttern: Geschäftsbereich war die Verwaltung eigener Immobilien und die Beratung von Investoren, die ein neues Bauvorhaben in einem „veränderungskritischen” Umfeld planten. Dabei ging es einerseits um ökologische Komponenten bei den Gebäuden, aber mehr noch darum, den Planenden klarzumachen, dass alteingesessene Nachbarn es selten schätzen, wenn ein großer Hai auftritt wie Graf Koks, ihre Interessen als kleine Fische abtut und gar nicht auf die Idee kommt, ernsthaft mit ihnen zu reden, geschweige denn Abstriche an seinem Konzept vorzunehmen. Für diese Tätigkeiten hatte ich mir einen hübschen Firmennamen verpasst (siehe Visitenkarte) – auch wenn in diesem Business nicht jeder für Ironie empfänglich ist.

 

 


 

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