Katar(rh)? Nur ein ganz klein wenig.

Alleine schon der Zeitpunkt – im Advent(!) – hatte mir die Vorfreude auf eine Männerfußball-WM in heruntergekühlten Wüstenstadien eines Staates, in dem eher Tennis, Kamelrennen oder der Sowieso-kein-Sport namens Formel 1 zuhause sind, komplett geraubt. Dann sattelten die Berichte über das FIFA-Katargate, unmenschliche Arbeitsbedingungen, fehlende soziale bzw. Meinungsfreiheit, Beschränkungen für Journalisten und ganz zuletzt als negatives Sahnehäubchen das Verbot dänischer Trainingstrikots durch den Ober-Schmierlappen Gianni Infantilo immer mehr oben drauf. Zu einer anfangs noch erhofften Katharsis, die all diese Unsäglichkeiten wegspült, ist es nie gekommen.

Kurz und gar nicht gut:  Diese WM schenke ich mir. Weitestgehend jedenfalls. Denn nachdem Didier Deschamps sich einen Ruck gegeben und den 36-jährigen, immer noch überzeugenden Olivier Giroud doch wieder nominiert hat, muss ich wenigstens auf Spiele der französischen Titelverteidiger einfach ab und an mal einen Blick werfen, sofern die überhaupt von AZRDF gezeigt werden. Gegen die Schwafel-Zumutung von Tom Bartels oder Béla Réthy gibt es ja die Mute-Taste. Zudem wird es sich nicht vermeiden lassen, in nahezu jeder ernsthaften Fernsehsendung einschließlich Tagesschau und Heute jederzeit und in unerträglich ausgiebiger Breite mit den Stimmungsbildern, prognostischen Hoffnungen, Wehwehchen und anderen Belanglosigkeiten von Le Mannschaft behelligt zu werden („Es gibt zwar nichts Berichtenswertes, aber das müssen wir erzählen”). Auch werden mich Interviews noch mit dem letzten Blödeldödel aus dem deutschen Quartier hunderte Male mit der neuesten Modefloskel („Wir müssen den Flow [Floh?] aufrecht erhalten”) nerven.

Aber mehr Verschnupfungen werde ich nicht an mich heranlassen, auch wenn dies das erste Mal seit 1958 ist, dass ich eine WM ignoriere. So gut ein bisschen Freude und Ablenkung in dieser Scheißzeit täte. Lieber verzichte ich auf ein paar Schiffsladungen Flüssiggas, die die katarische Dynastie der al-Thani uns vage in Aussicht gestellt hat. Versprochen!

 

NB: Man verzeihe mir den Dreiklang von Katar, Katarrh und Katharsis. Er lag zu nahe und ließ sich nicht vermeiden. Dabei ist mir bei dem Thema alles andere als spaßig zumute.